Ich habe einen großen Farbtopf immer dabei. Er ermöglicht mir alles was ich erlebe oder denke grau anzupinseln. Angestrengt zelebriere ich den Prozess, fein säuberlich bis in die Ecken. Wenn ich mal übermale ist das nicht so schlimm. Lieber etwas zu viel vom Grau, als zu wenig. Sicher ist sicher.

Während verschiedene andere Stimmungslagen wie zum Beispiel Depressionen oder bipolare Störungen teilweise durch Veranlagungen in den Genen weitergegeben werden, so gehört Pessimismus nicht dazu. Ich habe mal einen Text gelesen in dem Pessimismus sogar als verantwortungslos beschrieben wurde. Verantwortungslos gegenüber sich selber, seinem Körper und seinen Mitmenschen.

Das Positive: Pessimistisches Denken ist eine Einstellung, anerzogen und kann wieder verlernt werden bzw. mit positiven Denkmustern abgelöst werden. Aber wie soll das funktionieren, wenn für dich bereits in deinem gesamten Leben das Glas immer halb leer anstatt halb voll war? Rein objektiv weiß ich das positives Denken gesund ist. Ich weiß das positive Gedanken das Leben leichter und unbeschwerter machen. Ich könnte mir das auch immer wieder sagen, ich glaube es mir jedoch nicht. Irgendwo tief in meinem Inneren haben meine pessimistischen Glaubenssätze bereits ein festes Wurzelwerk gebaut.  Es wird Zeit diese Wurzeln zu lösen, denn schon die Wissenschaft belegte vor langer Zeit das Pessimismus krank machen kann und fast nur negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat.

Ein Tipp, den ich immer wieder lese ist die Dinge trotz negativer Einstellung anzugehen und dann von dem positiven Ausgang zu lernen. Doch irgendwie scheint das bei mir nicht so wirklich zu funktionieren. Oft erlebe ich sogar das meine pessimistischen Befürchtungen, Sorgen oder Ängste nicht eintreten. Meine Einstellung bleibt stets die Gleiche. Ich habe bisher fast alles erreicht was ich mir vorgenommen habe. In drei Monaten einen Marathon laufen unter 4h? – In 3:57h über die Ziellinie gelaufen. Einen neuen Job in einer neuen Stadt? – check, eine eigene Wohnung, ein neues Hobby? Check! Warum verleihen mir meine Erfolgserlebnisse nicht unbändiges Selbstvertrauen in mich und in das Leben?

Optimisten haben im Gegensatz zu Pessimisten in ihrer Kindheit oftmals viel Geborgenheit und Sicherheit erfahren. Ihnen wurde schonend beigebracht in welchen Situationen es Sinn macht sich zu sorgen oder ängstig zu sein und wann dies nicht nötig ist. Kinder, die gegenteilige Erziehung genossen haben, stellen sich im Erwachsenenalter oftmals eher als Pessimisten heraus. Sie können die Seite wechseln und durch positive Erlebnisse und Erfolge die pessimistische Einstellung vom Leben revidieren und nach und nach anpassen. Dies gelingt jedoch besser, wenn sie kein starkes Trauma erlebt haben, welches ihre Einstellung maßgeblich geprägt hat. Wer als Kind oft hilflosen Situationen ausgesetzt war, mit dem Gefühl des Kontrollverlustes, hat die pessimistischen Denkweisen als Erwachsener noch stärker verinnerlicht.

Positives Denken ist jedoch nicht gleich optimistisches Denken.

Ich habe neulich ein schönes Beispiel gelesen, das verdeutlicht das positives Denken nicht immer erwünscht ist. Stellen wir uns einen Bombenentschärfer vor. Ich glaube wir sind uns alle einig das dieser mit einer positiven Einstellung wie „Ach, das wird schon gut gehen“ wahrscheinlich mehr Schaden anrichtet als mit einer gewissen Portion Negativität. Genauso sollten wir Menschen nach Schicksalsschlägen angemessen reagieren und ruhig Gefühle wie Trauer oder Wut zulassen. Zudem konnten Studien belegen das positives Denken keinen Einfluss auf die mentale Gesundheit von uns Menschen hat. Wohl aber das optimistische Denken. Optimisten beziehen die negativen Aspekte mit ein, packen jedoch hoffnungsvoll die eigenen Probleme an.

Wie werde ich also nun vom Pessimisten zu einem Optimisten?

a) Negative Selbstgespräche durch realistische Gedanken ersetzen

b) Optimismus-Gefährder meiden

c) Imagination positiver Bilder

http://www.spiegel.de/spiegelwissen/psychologie-optimismus-laesst-sich-trainieren-a-918075.html