1.141 Meter ragt der Brocken, höchster Berg Norddeutschlands, aus dem Nationalpark Harz empor. Der Gipfel kann in einer Tagestour erklommen werden, die Zustiege sind jedoch vielfältig. Ich entschied mich schlussendlich für den Heinrich-Heine-Wanderweg, der rund 10,5km lang ist und dabei gut 850 Höhenmeter überwindet.

Start der Wanderung: Parkplatz neben dem Erlebniswald Ilsenburg. Wer mit dem Auto anreist muss hier ein Parkticket lösen. Tagessatz beträgt 3€, ist also wirklich kostengünstig. Der Heinrich-Heine-Weg beginnt eher flach und schlängelt sich als schmaler Pfad am Ufer eines urigen Flusses entlang. Links und rechts ragt dichter Nadelwald empor, deren Wurzeln den Waldboden überziehen. Unterbrochen wird der Weg immer wieder durch kleine Holzbrücken, die von einer Seite des Flusses zur anderen führen.

Einige Kilometer später gelangt man zu den Ilsefällen, die einen noch ein weiteres Stück des Weges begleiten und wunderschön dahin plätschern. Auf dem weiteren Weg wechseln sich kleine, steilere Pfade mit großzügig breiten Feldwegen ab. Nur das letzte Teilstück, welches zunächst zum kleinen Brocken und später schlussendlich zum Brockengipfel führt ist mit Betonplatten gepflastert und eher eintönig zu erlaufen. Macht aber nichts, denn der bereits sichtbare Gipfel gibt einen zusätzlichen Motivationsschub, die noch fehlenden 400 Höhenmeter zu überwinden. Kurz vor dem Erreichen des Ziels, ruft mir ein entgegenkommender Wanderer zu: „Gleich hast du es geschafft!“ und grinst mich dabei freundlich an. Etwas kurzatmig grüße ich zurück und realisiere wie nah ich wirklich an meinem Ziel bin. Doch ein lautes Geräusch schreckt mich aus meinen Gedanken. Was war das? Da sehe ich wie auch die Brockenbahn kurz vor mir ebenfalls ihr Ziel erreicht und alle Wanderer vor ihrem Eintreffen lautstark begrüßt.

Auf dem Gipfel angekommen, stürmt es trotz guten Wetters ganz schön. Daher unbedingt dicke Kleidung mitnehmen. Zwei kleine Biergärten laden dennoch zu einer kurzen Rast ein. Ich gönne mir ein Malzbier und ein Eis, um meine Energiereserven wieder aufzufüllen. Von der Aussicht war ich jedoch etwas unbefriedigt, denn trotz klarer Sicht besteht die Umgebung hauptsächlich aus Wald und Feldern. Wer also eine atemberaubende Bergkulisse, Seen und Fjorde à la Skandinavien erwartet, wird etwas enttäuscht sein. Da für mich jedoch sowieso eher die Bewegung und Zeit in der Natur ausschlaggebend für eine gelungene Wandertour sind, mache ich mich bereits 30 Minuten später an den Abstieg. Ich wähle exakt die gleiche Route für die Tour bergab, obwohl es auch einige kleine Varianten gibt. So kenne ich jedoch den Weg und kann meine Gedanken noch einmal völlig frei schweifen lassen. Noch dazu entdecke ich zum Teil wunderschön, bunte Herbstlandschaften, die ich während des anstrengenden Aufstiegs keines Blickes gewürdigt habe.

Nach ca. 7 Stunden erreiche ich wieder den Parkplatz am Erlebniswald und sinke geschafft in meinen Fahrersitz. Das war ein toller Tag und eine insgesamt wunderschöne Wanderung zum höchsten Berg Norddeutschlands.