Spätestens nach dem Bestseller Buch von Gesa Neitzel “Frühstück mit Elefanten” ist die Ausbildung zum Safari-Guide in Deutschland bekannt geworden. Anbieter ist die südafrikanische Organisation EcoTraining. Wenn du das Buch noch nicht gelesen hast, dann kann ich dir dies nur ans Herz lesen. Gesa beschreibt unbeschreiblich authentisch und mitreissend wie sich das Leben im Busch anfühlt und welche Herausforderungen auf dem Weg zu einem professionellen Safari-Guide auf dich warten. Ich hatte beim Lesen oft einen Kloß im Hals, denn das vermittelte Gefühl von Abenteuer und Freiheit weckte eine Sehnsucht in mir, die immer größer wurde. Die Idee war geboren: Ich will das auch erleben!

Doch was tun, wenn man nur 30 Tage Urlaub im Jahr hat und nicht die Zeit für eine längere Ausbildung, die in 3, 6, 9 oder 12 Monaten absolviert werden kann. Die Lösung: Ein Schnupperkurs!

Zweimal im Jahr bietet die Ausbildungsorganisation EcoTraining einen Schnupperkurs „EcoQuest“ an, der in nur 7-14 Tagen jedem Urlauber ermöglicht Ranger-Luft zu schnuppern. Wenn ich ein Wort für dieses Erlebnis finden müsste, dann wäre es wohl „PURE“.

PURE LOVE

Während der 14-tägigen Reise hast du die Möglichkeit zwei verschiedene Camps kennen zu lernen. In meinem Fall war das zum einen das Private Game Reserve Karongwe sowie die Makuleke Konzession inmitten des nördlichen Krüger Nationalparks. Eins haben beide Camps gemeinsam. Hier arbeiten Menschen, die die Natur und ihre Tiere lieben.

Besonders beeindruckt hat mich ein Guide names Jerry in Karongwe. Als Kind im Busch aufgewachsen, vermittelte er leidenschaftlich sein Wissen über den Busch und erzählte oft Anekdoten aus seiner Kindheit. Für mich sind das diese Momente, die man wahrscheinlich nicht auf konvertionellen Safaris erlebt und Wissen, das sich nicht in jedem Standardwerk nachlesen lässt. Jerry erzählte warum seine Familie früher oft Elefantendung anzündete, um den Rauch zu inhalieren und von Kopfschmerzen befreit zu werden (natürlich mussten wir das auch alle einmal probieren). Er berichtete auch von Traditionen seines Stammes wozu ein Männlichkeitsritual gehört, das kaum zu fassen ist. Mit 9 Jahren werden die Jungen seines Stammes in Mitten des Busches ausgesetzt, mit der Aufgabe 3 Monate im Busch zu überleben. Das bedeutet Nahrung suchen, Fährten lesen, Feuer machen, Wasser und Schutz finden. Erst nach diesen drei Monaten sind die kleinen Jungen bereit als Mann vom eigenen Volk aufgenommen zu werden.

PURE NATURE

Während die Natur in Karongwe noch sehr an Bekanntes aus Europa erinnerte, so änderte sich die Landschaft in Makuleke komplett. Besonders beeindruckend: Die Vielfalt! Savanne, Fieberbäume und Palmen auf der einen Seite, tiefrote Erde und Steinschluchten auf der Anderen. Gespeist wird die Landschaft vom mächtigen Limpopo-Fluss, der jedoch im südafrikanischen Sommer fast immer ausgetrocknet ist. Die Trockenheit machte auch uns einen kleinen Strich durch die Rechnung, denn obwohl im Dezember Regenzeit ist, sahen wir nicht einen Tropfen und schwitzten bei 40°C im Schatten. Und obwohl normalerweise 85% aller Tierarten Südafrikas in Makuleke zu Hause sind, so wanderten vor allem die Big Five langsam in den regenreicheren Süden ab. Wer will es ihnen verdenken!

Trotz dessen sahen wir atemberaubende Landschaften und hatten einige spannende Tierbegegnungen zu Fuß. So trafen wir bei einem unseren Busch-Walks auf eine 42-köpfige Elefantenherde, die sich uns neugierig näherte. Ganz leise gingen wir in die Knie und versuchten uns im halbhohen Gras zu verstecken. Doch der Wind verriet uns und teilte der Herde mit das irgendetwas nicht stimmte. Sind da etwa Menschen? Noch gut 300 Meter entfernt, spitzten vor allem die erfahrenen Elefanten der Herde die Ohren und streckten ihren Rüssel in unsere Richtung. Zeitgleich drückten die Elefantenkühe ihre Babys behutsam mit dem Russel näher an sich heran. Sie waren sich einfach nicht sicher und entschieden zu unserer Sorge noch einmal näher zu kommen. Nun waren wir abhängig von unserem erfahrenen Guide, Ross, der aufstand und lautstark mit seinem Gewehr fünfmal gegen den nächstgelegenen Fieberbaum klopfte. Mit dieser Geste beruhigte er die Herde und zeigte unsere Existenz an. Sein Klopfen sagte „Ja ihr habt Recht, wir sind hier! Ihr braucht euch nicht mehr sorgen, ihr braucht nicht näher kommen!“. Und so drehte die Herde kurz vor uns ab und zog davon. Wer hier den größeren Schrecken von uns bekommen hat, ist wohl schwer zu sagen.

PURE LIFE

Das Leben in den Eco Training Camps ist einfach, aber zeitgleich wunderschön. Geschlafen wird in einfachen Zwei-Mann-Zelten. Wir hatten oftmals nur kaltes Wasser zum Duschen und einige Mitbewohner in Form von Skorpionen, Busch-Babies und kleinen Ratten. Gekocht wird von zwei afrikanischen Frauen aus dem Makuleke Village und nur einmal am Tag gibt es Strom für eine oder zwei Stunden. Ein hartes Leben? Nein so gar nicht, denn hier lenkt nichts ab. Hier konzentriert du dich ganz auf die Natur, deine Mitmenschen und vor allem dich selber. Noch nie fühlte ich mich nach kurzer Zeit so entspannt. Während mich zu Hause in Hamburg oft abends der Fernseher unterhält, so war es hier meine tolle Reisegruppe… und hier und da auch mal ein kühles afrikanisches Bier.

Ein typischer Tagesablauf im EcoQuest Kurs:

  • 4:30 Uhr Wake up call, Zeit aufzustehen!
  • 05:00 Uhr Frühstück (Cornflakes, Instant-Kaffe & Tee)
  • 05:30 Uhr Morning Game Drive oder Walk
  • 10:00 Uhr Frühstück
  • Danach Freizeit (Oftmals hieß das Nap-time!)
  • 14:00 Uhr Unterricht über ein bestimmtest Thema aus dem Ausbildungsportfolio (Sternenkunde, Navigation, Fährtenlesen, Reptilien und vieles mehr)
  • 15:00 Uhr Lunch
  • 16:00 Uhr Evening Game Drive
  • 20:00 Uhr Abendessen, hier gibt es Barbeque oder Buffet. Eine Regel gilt jedoch immer: Ladies first!
  • 21:00 Uhr Ausklang des Abends am Lagerfeuer

Thank you Südafrika! 

Du willst mehr über das Buch „Frühstück mit Elefanten“ von Gesa Neitzel wissen? Dann lies einen kleinen Ausschnitt auf ihrem Blog oder kaufe es direkt online.

Der „EcoQuest“ Schnupperkurs, sowie alle längeren Ranger-Kurse können direkt auf der Anbieterseite von EcoTraining gebucht werden (auf Englisch).

Ich habe die Reise jedoch bei einem deutschen Afrika-Reiseanbieter (safariFRANK) gebucht, der Urlauber zu EcoTraining vermittelt. Hier zahlst du keine Mehrkosten, hast jedoch den Vorteil eines deutschen Ansprechpartners. Stefanie vom safariFRANK Team war sehr hilfsbereit und hat mir zudem alle Fragen im Vorfeld beantwortet. Danke dafür!

Der Vollständigkeit halber möchte ich euch den zweiten deutschsprachigen Reiseanbieter Natucate nicht vorenthalten. Hier buchten ebenso einige Mitglieder meiner Reisegruppe ihren EcoTraining-Kurs und waren sehr zufrieden.