Grau in Grau. Nebelschleier. Pechschwarz. Lichtblick. Gedankenkarussell. Leere. Grübeln. Trauern. Weinen. Lachen. Überspielen. Abschütteln. Verzweifeln. Leise. Stille. Hilfe. Hoffnung. Arbeit. Aufbruch. Farbe.

Ziemlich viel los, was? Wer an einer chronischen Depression, auch Dysthymie genannt, leidet mag diese Gefühle kennen.

Ein ziemliches Monster. Nicht weil die Phasen tief und gefährlich sind, sondern weil es deinen Alltag unter einen feinen, grauen Schleier legt. Heimtückisch sollst du glauben das dieser Zustand Normalität ist. Heimtückisch wird dir eingeredet das es an dir liegt. Die anderen sind doch auch zufrieden und glücklich – und denen geht es viel schlechter als dir. In Afrika sterben die Kinder und du weinst jeden Abend in dein Kissen. Ganz schön arrogant. Ach ja, das wird schon wieder! Du musst einfach nur mal wieder Spaß haben! Jeder ist mal schlecht drauf. Glücklich sein ist eine Entscheidung! Komm schon! Ja los, komm schon!

Ich kann aber nicht! Ich möchte einfach verschwinden. An einen Ort der so weit weg ist, das mich niemand findet. Sozialer Rückzug bis zur Perfektion. Ich kann nicht ertragen wie unbeschwert andere ihr Eis essen, als wäre es der schönste Tag des Jahres. Während meine Zunge das kühle Eis berührt, fahren meine Gedanken Karussell. Die Stimmen und das Lachen der anderen verstummen in meinem Kopf und die Einfahrt in den großen Looping beginnt. Ich bin nicht mehr nervös, denn diese Achterbahn bin ich schon oft gefahren. Ich fahre sie jeden Tag, bis mir schlecht wird. Gedanken drehen sich im Kreis. Ich finde einfach keine Antwort auf meine Fragen.

Was ist der Sinn des Lebens? Warum sind wir auf dieser Welt? Warum hinterfragen nicht alle ihr Tun? Warum kann ich nicht unbeschwert sein? Was muss ich tun, was kann ich verändern? Was macht das alles für einen Sinn? Liegt es an mir? Warum bin ich immer so schüchtern? Bin ich zu anspruchsvoll? Wieso versteht mich niemand? Wieso hilft mir keiner? Ich fühle mich wie in einem dunklen Keller. Jeden Tag klopfe ich mindestens einmal gegen die Luke und schreie nach Hilfe. Doch niemand kommt und niemand befreit mich aus meiner Lage. Das kann ich nur selber tun.

Meine Hand greift zum Telefonhörer. Es klingelt. Eine freundliche Stimme nimmt ab. Ein Eintrag in meinem Terminkalender folgt. Der Anfang ist gemacht. Ich lade jemanden fremdes in meinen Keller ein. Hoffentlich hilft sie mir, denn schön ist es hier unten nicht. Doch Sie ist eine Innenarchitektin, spezialisiert auf Rekonstruktion und Umbau. Genau die Richtige. Sie wird mir helfen meinen Keller neu zu gestalten. Sie wird mir helfen Fenster einzubauen, die Licht spenden. Einen Ofen zu installieren, der Wärme gibt. Eine Sitzecke zu bauen, die Freunde einlädt und eine Tür zum Garten, die ins Freie führt.

Du bist nicht allein. Ich verstehe dich. Pass auf dich auf. Ich bin für dich da. Es ist okay.

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Bitte hole dir Hilfe im Fall einer Erkrankung oder des Verdachts auf eine Depression! Informationen findest du hier.