Tierbeobachtungen Rangerlife

Was erlebst du bei den meisten Südafrika-Safaris? Richtig – ein Tier wird gesichtet, schnell erreicht der Funkspruch die umliegenden Lodges und alle verfügbaren Jeeps rasen in Richtung der Tiere. Anders geht es bei den Safari-Guide Kursen der Organisation EcoTraining zu. Die Camps liegen in privaten Reservaten oder geschützten Gebietes des Krüger Nationalparks in denen feste Regeln zum Schutz der Tiere gelten. Ein weiterer Unterschied ist der Ausbildungsgedanke der Organisation. Erfahrene Guides weisen dich Tag für Tag in die Besonderheiten des afrikanischen Buschs ein. Du lernst Zusammenhänge zu verstehen und nimmst die Natur schon nach kurzer Zeit anders war. Besonders empfehlenswert sind die Kurse ab 28 Tagen Länge, jedoch bekommst du auch im 14-tägigen Schnupperkurs “EcoQuest” einen ersten Eindruck über die Geheimnisse der afrikanischen Wildnis.

Hier meine Top 5 Busch-Fakten. Danke an alle EcoTraining Guides!

#1 Symbiosen – Nützliches Miteinander?

Gefressen und gefressen werden: Ein ungeschriebenes Gesetz der Natur. Das es auch anders geht, zeigt uns das Leben in Symbiose. Ein Leben in Partnerschaft und Koexistenz, jedoch nicht immer zum Vorteil für beide Parteien.

Mutualismus: Beim Mutualismus profitieren beide Organismen zu gleichen Teilen. Ein Beispiel ist der uns aus dem Disney Film „Findet Nemo“ bekannte Clownfisch und seiner Anemone. Die Anemone dient Nemo als sicherer Schlafplatz, da sie Fressfeinde mit ihren giftigen Nesselzellen gekonnt abwährt. Im Gegenzug fächelt Nemo immer wieder Wasser und Sauerstoff zu den Anemomen und hält noch dazu ihre Tentakeln sauber. Die beiden könnten auch ohne einander überleben, aber so ist es doch viel schöner!
Kommensalismus: Nur ein Organismus profitiert, der andere wird jedoch nicht geschädigt. Dies ist bei verschiedenen Pflanzen oder Tierverbindungen zu beobachten. Oft wachsen zum Beispiel Farne oder Blüten an Bäumen, um sich so bessere Lichtverhältnisse zu sichern. Den Baum schädigt das jedoch zu keinem Zeitpunkt.
Parasitismus: Die Form, an die sich wahrscheinlich jeder noch aus seinem Biologieunterricht erinnert. Der Parasitismus ist die brutalste Form der Symbiosen, denn hier gewinnt nur der Parasit und schädigt zu seinem Nutzen den anderen Organismus, auch Wirt genannt. Neuste Studien belegen, dass der in Südafrika häufig gesichtete Rotschnabelmadenhaker zu dieser Parasitenform zu zählen ist. Er vertilgt zwar auf der einen Seite Parasiten zu Gunsten des Wirts, jedoch nutzt er die restlichen 85% der Zeit, um die Wunden offen zu halten und sich davon zu ernähren. Den Rotschnabelmadenhaker habe ich am häufigsten auf Giraffen und Büffeln gesehen.

Büffel mit Parasit

#2 Navigation ohne Kompass & Co. – Nie wieder lost im Busch

Wie gut ist mein Orientierungssinn? Ich würde sagen, eher bescheiden. In der Regel rette ich mich dank Google Maps auf meinem Smartphone. Doch was tun, wenn du mitten im Busch bist ohne Handyempfang, Kompass oder Karte?

Ganz einfach: Folge den Termitenhügeln. Diese komplexen Bauwerke werden von den Termiten-Arbeitern aus eigenem Kot, Sand sowie umliegendes Holz gebaut. Ihr Innenleben ist so designed, dass zu jeder Zeit eine ausreichende Luftzirkulation ermöglicht und eine ideale Raumtemperatur gehalten werden kann. In Südafrika stehen sie gefühlt an jeder Ecke und können dir daher ein praktischer Orientierungshelfer sein.

Wie das funktioniert? Voraussetzung ist, dass du weißt in welcher Richtung dein Camp liegt. Die Termiten bauen ihre Hügel nämlich immer nordwärts gerichtet. Genauer gesagt zeigt die Spitze der Bauwerke immer leicht in diese Richtung. Wenn dein Camp also im Norden oder Süden liegt, so musst du nur noch den Hügelspitzen folgen oder entgegen ihrer Richtung gehen und schon findest du den Weg zurück. Wie clever ist das denn?

Termitenhügel in Karongwe

#3 Alles hängt zusammen – Wie Bäume die Giraffen ärgern

Giraffen – Majestätische und wunderschöne Tiere Südafrikas. Mit ihrer Größe von bis zu sechs Metern ist es für die Giraffe ein Leichtes für Nahrung zu sorgen und die Blätter der hohen Dornakazien zu erreichen. Doch genauso wie wir Menschen und Tiere, so sind auch die Pflanzen um ihre Unversehrtheit bemüht. Ihr Blattwerk schützen die Akazien daher mit scharfen Dornen auf den Ästen. Leider reicht dies nicht, um die höchsten Tiere der Welt fern zu halten. Behutsam werden die Äste einfach nach unten gebogen und das schmackhafte Grünzeug entgegen der Dornrichtung abgezogen. Der langen Zunge sei dank.

So schnell geben sich die Dornakazien jedoch nicht geschlagen. Wer nicht hören will, muss fühlen! Stufe zwei besteht aus ausgesendeten Bitterstoffen, die das Blattwerk nach und nach ungenießbar machen. Über den Wind werden zudem die Kollegen alarmiert und so verbittern alle in Windrichtung stehenden Akazien noch bevor die Giraffe sie erreichen kann. Schlau, wie die Giraffen sind, ziehen sie entgegen des Windes weiter. Ein faszinierendes Spiel der Natur!

Giraffen in Südafrika

#4 Fährtenlesen – Auf Tour mit den Profis

Fährtenlesen verlangt vor allem eins: Geduld und jahrelanges Training.

Für mich sahen die Tierspuren im Sand anfangs oft alle gleich aus. Drei Zehen, fünf Zehen, großer Ballen, kleiner Ballen, Abstand der Zehen zueinander… Ich sah keinen Unterschied. Je öfter wir jedoch Nachmittags aufbrachen und an verschiedensten Spuren stoppten, desto öfter ergaben die Erklärungen unserer Guides einen Sinn. Leider war der 14-tägige “EquoQuest” Schnupperkurs zu kurz, um wirklich aktiv selber Spuren zu interpretieren und zu folgen. Diese Fähigkeiten werden in den etwas längeren Safari-Guide Kursen von EcoTraining vertieft. Daher rate ich allen, die etwas mehr Zeit haben sich den 28-tägigen Kurs genauer anzusehen.

Ranger zu Fuß in Südafrika

#5 Astrologie – Was wirklich in den Sternen steht

Der Sternenhimmel in Südafrika ist unglaublich. Während wir in Deutschland fast keinen Ort mehr ohne Lichtverschmutzug durch angrenzende Städte haben, so siehst du im Krüger Nationalpark deine Hand vor Augen nicht. Die Dunkelheit ermöglicht es die Sterne besonders gut beobachten zu können, vorausgesetzt der Himmel ist wolkenlos.

Ich habe mich eigentlich nie wirklich für Sterne oder gar Sternenbilder interessiert. Meine erste Lektion am Lagerfeuer im Krüger Nationalpark hat dies definitiv verändert. Zum ersten Mal habe ich die bekannten Figuren wie das Kreuz des Südens oder den Orion klar und deutlich erkannt. Gepaart mit spannenden Geschichten zur Mythologie der Himmelsobjekte, ein unvergessliches Erlebnis.

Eines der besten Bücher für Busch-Anfänger ist das Buch “Game Ranger in your back pack” (auf Englisch). Es beschreibt unglaublich anschaulich die wichtigsten Fakten über das gesamte Ökosystem Südafrikas. Das Buch ist das perfekte Nachschlagewerk auf Reisen oder für Safari-Guides in der Ausbildung. Ein Buch das wirklich Spaß macht.

Alle Safari-Guide Kurse werden von der Organisation EcoTraining abgeboten. Eine Übersicht findest du hier.