So war das eben.

Selbst, wenn mich Freunde fragen, stoße ich sie zurück. Es ist besser allein als mit jemanden zusammen. Zu oft wurde ich enttäuscht, zu oft wurde ich verletzt. Ich vertraue nur noch mir selbst und meinen Gedanken.

Rational weiß ich das ich meine Einsamkeit selbst zu verschulden habe. Mehr als ihre Zeit anbieten können andere nicht! Ich bin diejenige, die einsam sein will, obwohl sie es nicht will. Ein Teufelskreis. Ich habe mal wieder allen liebgemeinten Anfragen abgesagt. Heulend sitze ich zu Hause, da klingelt es an der Tür. Hoffnungsvoll blicke ich dem unschuldigen Postboten in die Augen. Wie sehr hatte ich gehofft das jemand vorbei kommt. Doch ich habe gesagt, dass ich zu beschäftigt sei. Zu beschäftigt mit Weinen, mit Grübeln und damit mich selbst zu bemitleiden. Es scheint als wenn ich diesen Zustand aktiv kreiere. Mein Kopf schreit „Mit dir will eh keiner was zu tun haben“. Vielleicht, weil ich mein ganzes Leben einsam war, auch unter Menschen. Als Frühchen drei Monate schutzlos im Brutkasten, einsam in einer Familie voller Streit und nächtlichen Alkoholexzessen. Einsam in Beziehungen, einsam nach Trennungen.

Einsamkeit ist kein Zustand, es ist ein Gefühl aus dem tiefsten Inneren deines Körpers. Immer musste ich alles allein schaffen. Ich habe mir die Seele aus dem Leib gekotzt, direkt vor die Füße meiner Eltern. Der Teppich wurde gewaschen und wieder heil gemacht, ich blieb dreckig zurück. Mein Tagebuch wurde mit Rotstift markiert, doch Hilfe bekam ich nicht. Im Gegenteil, jahrelang war ich die herzlose Tochter, die ihrer Mutter das neue Beziehungsglück nicht gönnt. Doch welches Glück denn bitteschön? Wenn Glück bedeutet sich jeden Abend die Köpfe einzuschlagen und mit dem Messer hintereinander herzulaufen, dann verstehe ich das. Wenn Glück bedeutet sich bis zur Bewusstlosigkeit zur betrinken und seine Kinder vulgär zu beschimpfen, dann verstehe ich die Vorwürfe. Wenn Glück bedeutet jeden Tag so zu tun als wenn alles in Ordnung wäre, dann verstehe ich es. Doch ich bin auch wütend. Wütend auf die anderen, die immer nur der heilen Welt Glauben geschenkt haben. Wütend auf alle, die immer sagen „Das wird schon wieder“. Zitternd liege ich in meinem Bett und schließe die Augen, doch mein Köper hört nicht auf zu fühlen. Nicht immer hilft es einfach die Augen zu verschließen.

So ist das eben.

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Hey little girl,
tell me how you felt that day,
tell me how you survived those feelings
Are you okay now?

Let me tell you the truth
Nothing ever happend to you
It’s all in your head
In your trouble mind

Dear little girl
Don’t be ashamed
You are just perfectly hurt
I want you to know this

Let me tell you why you feel so sad
It’s because you always tried to rebel
You always tried to sabotage
You could have done much better

Hey little girl
Don`t you detect all the lies?
They are just too broken to admit
In good times you all know this

But let’s be honest little girl
The truth will never come to light
I want you to find peace
Eventually.

Für alle, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, empfehle ich das Buch „Familienkrankheit Alkoholismus“ von Ursula Lambrou. Eines der wenigen Bücher, die sich ausschließlich mit den Angehörigen von Alkoholikern beschäftigen. Die Autorin litt selbst jahrelang unter ihren alkoholkranken Eltern und interviewte für dieses Buch viele erwachsen gewordene Kinder aus Suchtfamilien. Zum ersten Mal habe ich schwarz auf weiß gelesen wie sich andere als Kind gefühlt haben und wie ähnlich doch all diese Erfahrungen sind. Auf der einen Seite wühlt das Buch auf, auf der anderen Seite tröstet es auch. Es sagt „Du bist nicht allein“, „Es ist nicht deine Schuld“.

Auch Kati Morton, bekannte Psychotherapeutin und Youtuberin aus den USA, äußerte sich zu diesem Thema. Bei ihr findet ihr zudem Hilfe für viele verschiedene mentale Krankheiten und Persönlichkeitsstörungen.